Selbst Mitte
der neunziger Jahre dampfte
es auf den
Meterspurstrecken in den Bundesstaaten Bihar, Gujarat und Rajastan im
Nordwesten Indiens noch kräftig, wenn auch das baldige Ende abzusehen war. Ein
gigantisches Umspurungsprogramm war angelaufen und sollte in der
Folge nicht nur die Dampfloks, sondern ganze
Meterspurnetze obsolet machen.
Im Dezember 1996
war die Welt auf dem Meterspurnetz der Western Railway um Udaipur aber noch in
Ordnung. Nebst dem
berühmten Maharaja Palästen in Udaipur
weckte vor allem die 'Ghat-Section'
der Strecke aus Ahmadabad mein Interesse. Der Steigungsabschnitt
erforderte stets eine Schublok für alle Züge von Süden.
Allerdings war hier viel Geduld angesagt, denn planmässig gab es lediglich zwei Zugpaare
auf der Strecke, und an ein Verfolgen war angesichts
der chaotischen Strassenverhältnisse ohnehin nicht zu denken.
Eine Eigenart der
indischen Bahnen war die chronische Verspätung ihrer Fernzüge.
Dies machte das Fotografieren zur wahren Geduldsprobe.
Andererseits machte es manche Bilder überhaupt erst möglich.
So war der
Nachtzug 9644 Ahmadabad - Udaipur am 27.Dezember 1996 nur dank
der rund dreistündigen Verspätung fotografierbar
gewesen - planmässig hätte er diese Stelle noch in völliger Dunkelheit
passieren sollen, was jedoch im Zeitraum meines Besuchs kaum je der Fall war.
Die Pacifics der
Reihe YP vom Depot Ahmadabad beförderten die Expresszüge auf dem
gesamten Laufweg von nahezu 400km. In der steigungsreichen
'Ghat-Section' zwischen Zawar und Udaipur erhielten sie Hilfe
durch eine Güterzuglok der Reihe YG (1D1).
Dieser schwierige Streckenabschnitt wurde erst in den sechziger Jahren mit
Chinesischer Hilfe fertiggestellt, während die Dampfloks der Rehen YP
und YG in Indien noch bis 1972 gebaut wurden. Mehr dazu hier.